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Technischer Leitfaden

Überbandmagnete – Aufbau, Funktion und Auslegungskriterien

Ein umfassender technischer Leitfaden zu Überbandmagneten. Erfahren Sie alles über Funktionsweise, Unterschiede zwischen Permanent- und Elektromagneten, Installation und optimale Auslegung für Recyclinganlagen.

Vollständige Funktionsweise
Permanent vs. Elektro
Installationsanleitung
Auslegungskriterien
Überbandmagnet Schema - Alexander Magnettechnik

Zusammenfassung

Ein Überbandmagnet, oft auch als Überbandmagnetabscheider oder Aushubeinheit bezeichnet, ist die am häufigsten eingesetzte Technologie zur Rückgewinnung von Eisenmetallen aus Schüttgutströmen auf Förderbändern. Er kombiniert ein starkes Magnetfeld mit einem eigenen Austragsgurt, um Ferrometalle vollautomatisch aus dem Produktstrom zu heben und seitlich abzuwerfen. Diese Systeme sind unverzichtbar im Recycling, insbesondere bei Holz, Bauschutt und Müllverbrennungsschlacke, sowie im Schutz von Brecheranlagen. Überbandmagnete arbeiten gegen die Schwerkraft und müssen daher ein ausreichend starkes Magnetfeld erzeugen, um ferromagnetische Partikel aus dem Materialstrom nach oben zu ziehen.

Überbandmagnet – Kurzdefinition

Ein Überbandmagnet ist ein Magnetscheider, der in einem definierten Abstand, der sogenannten Abhängehöhe, über einem Gurtförderer installiert wird. Er arbeitet gegen die Schwerkraft: Das Magnetfeld muss stark genug sein, um magnetische Teile aus dem Materialstrom nach oben an den Magneten zu ziehen. Im Gegensatz zu einfachen Plattenmagneten, die manuell gereinigt werden müssen, verfügen Überbandmagnete meist über ein umlaufendes Austragsband mit Stollen, das die angezogenen Eisenteile aus der Magnetzone transportiert und in einen Sammelbehälter abwirft. Man spricht daher von einer selbstreinigenden Magneteinheit.

Abhängehöhe

Die Abhängehöhe ist der vertikale Abstand zwischen dem Boden des Magnetgehäuses beziehungsweise dem Magnetgurt und dem Fördergurt. Dieser Parameter ist entscheidend für die Auslegung, da eine Verdopplung des Abstands oft eine Vervierfachung der Magnetleistung erfordert. Die Abhängehöhe wird durch die Schütthöhe des Materials auf dem Förderband plus einem Sicherheitsabstand von etwa 100 Millimetern bestimmt.

Geschichte und Entwicklung

Die Entwicklung von Überbandmagneten begann mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Bedarf an automatisierten Sortier- und Trennverfahren. Die ersten Überbandmagnete wurden in den 1950er Jahren entwickelt, als die Recyclingindustrie begann, sich zu professionalisieren. Zunächst wurden einfache Permanentmagnete über Förderbändern installiert, die jedoch manuell gereinigt werden mussten. Die Einführung von selbstreinigenden Systemen mit umlaufenden Austragsgurten in den 1960er Jahren revolutionierte die Anwendung. Mit der Entwicklung starker Neodym-Magnete in den 1980er Jahren konnten Überbandmagnete kompakter gebaut werden und gleichzeitig höhere Arbeitshöhen erreichen. Elektro-Überbandmagnete wurden bereits in den 1970er Jahren für Bergbauanwendungen entwickelt, wo extrem hohe Arbeitshöhen und abschaltbare Felder erforderlich waren. Heute sind Überbandmagnete ein Standardelement in nahezu allen Recycling- und Sortieranlagen weltweit.

Funktionsweise und Physik der Aushebung

Die technische Herausforderung beim Überbandmagneten ist die Tiefenwirkung des Magnetfeldes

Während ein Rohrmagnet direkten Kontakt zum Produkt hat, muss der Überbandmagnet eine Luftlücke, auch als Air Gap bezeichnet, und oft eine dicke Materialschicht überbrücken. Dies erfordert ein besonders starkes und tief wirkendes Magnetfeld. Die Physik der Aushebung basiert auf dem Zusammenspiel verschiedener Kräfte, die alle berücksichtigt werden müssen, um eine erfolgreiche Separation zu gewährleisten.

Das Kräfteverhältnis

Damit ein Eisenteil, auch als Fe-Partikel bezeichnet, aus dem Förderstrom gehoben wird, muss die magnetische Anziehungskraft größer sein als die Summe der entgegenwirkenden Kräfte:

Fₘ > Fg + FMaterial + FTrägheit

Wobei:

  • F_m: Magnetische Anziehungskraft
  • F_g: Gewichtskraft des Eisenteils
  • F_Material: Widerstand durch das aufliegende Schüttgut
  • F_Trägheit: Bewegungsenergie des Förderstroms

Die Gewichtskraft des Eisenteils ist direkt proportional zu seinem Volumen und der Dichte des Materials. Der Widerstand durch das aufliegende Schüttgut ist besonders bei dicken Materialschichten problematisch, da das Eisenteil sich durch Schutt oder Müll wühlen muss. Die Bewegungsenergie des Förderstroms wird durch die Bandgeschwindigkeit bestimmt. Bei hohen Geschwindigkeiten über 2,5 Meter pro Sekunde muss der Magnet deutlich stärker dimensioniert werden, um die relative Geschwindigkeit auszugleichen. Die magnetische Anziehungskraft nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab, was bedeutet, dass eine Verdopplung der Abhängehöhe eine Vervierfachung der Magnetfeldstärke erfordert.

Prozessschritte der Separation

1

Aktivierung

Das Fördergut läuft unter dem Magneten hindurch. Das Material wird gleichmäßig auf dem Förderband verteilt, wobei die Schütthöhe einen kritischen Parameter darstellt. Zu dicke Schichten können die Abscheideleistung erheblich reduzieren.

2

Pick-up (Ausheben)

Ferromagnetische Teile werden durch die Feldlinien erfasst, vertikal beschleunigt und an den Gurt des Überbandmagneten gezogen. Dieser Prozess erfolgt gegen die Schwerkraft und erfordert daher ein besonders starkes Magnetfeld. Die Geschwindigkeit der Aushebung hängt von der Magnetfeldstärke, dem Feldgradienten und der Größe des Eisenteils ab.

3

Transport

Der umlaufende Austragsgurt mit Mitnehmerstollen schiebt die festgehaltenen Teile quer oder längs zur Förderrichtung. Die Stollen sind entscheidend für eine zuverlässige Austragung, da sie verhindern, dass die Eisenteile auf dem Gurt zurückrutschen. Abgenutzte Stollen können die Austragsleistung erheblich reduzieren.

4

Abwurf

Sobald die Teile den Wirkbereich des Magnetblocks verlassen, also hinter dem Magnetkern, fällt die magnetische Haltekraft weg und die Teile fallen in einen Schrott-Container. Die Position des Abwurfs muss so gewählt werden, dass die Teile sicher in den Container gelangen und nicht zurück auf das Förderband fallen.

Tiefenwirkung und Feldgradient

Die Tiefenwirkung des Magnetfeldes ist entscheidend für die Leistung eines Überbandmagneten. Während die Flussdichte an der Oberfläche des Magneten gemessen werden kann, ist für die praktische Anwendung die Feldstärke in der Tiefe des Materials entscheidend. Der Feldgradient beschreibt, wie schnell die Magnetfeldstärke mit zunehmender Entfernung abnimmt. Ein steiler Gradient bedeutet, dass das Feld schnell schwächer wird, was für die Abscheidung von Partikeln in größerer Entfernung problematisch sein kann. Elektro-Überbandmagnete erzeugen ein tieferes und gleichmäßigeres Feld als Permanentmagnete, was sie für größere Arbeitshöhen prädestiniert.

Typen: Permanent vs. Elektro

Die wichtigste Unterscheidung liegt in der Erzeugung des Magnetfeldes

Es gibt zwei Haupttypen von Überbandmagneten, die sich grundlegend in der Art der Magnetfelderzeugung unterscheiden. Die Wahl zwischen Permanent- und Elektro-Überbandmagneten hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter die erforderliche Arbeitshöhe, die Betriebskosten, die Verfügbarkeit von elektrischer Energie und die Anforderungen an die Wartung.

Permanenter Überbandmagnet

Bei permanenten Überbandmagneten besteht der Magnetblock aus dauerhaften Magnetmaterialien, entweder Ferrit oder Neodym. Diese Magnete erzeugen ein konstantes Magnetfeld ohne Energiezufuhr.

  • Aufbau: Magnetsystem ist statisch, während das Gurtgestell beweglich ist
  • Vorteile: Keine Energiekosten für das Magnetfeld, nur für den Antriebsmotor des Gurtes, kompakte Bauweise, wartungsarm, robust und langlebig
  • Nachteile: Magnetfeld nicht abschaltbar, was die Reinigung bei Wartung erschwert, begrenzte Tiefenwirkung im Vergleich zu Elektromagneten
  • Einsatz: Arbeitshöhen bis ca. 400 Millimeter, mobile Brecheranlagen, Holzrecycling, Standard-Recyclinganwendungen

Magnetmaterialien:

Ferrit: Ferrit-Magnete sind kostengünstig und robust, bieten jedoch eine geringere Feldstärke. Sie sind für die meisten Standardanwendungen ausreichend.

Neodym: Neodym-Magnete bieten eine höhere Feldstärke bei kompakterer Bauweise, sind jedoch teurer und temperaturempfindlicher.

Elektro-Überbandmagnet

Bei Elektro-Überbandmagneten wird das Feld durch Spulen erzeugt, die von Gleichstrom durchflossen werden. Die Spulen können öl- oder luftgekühlt sein.

  • Aufbau: Öl- oder luftgekühlte Spulenkerne mit komplexer Wicklung
  • Vorteile: Extrem tiefes und starkes Magnetfeld, abschaltbar per Knopfdruck für einfache Wartung, Leistung oft regelbar, für sehr große Arbeitshöhen geeignet
  • Nachteile: Hoher Stromverbrauch, hohes Gewicht, Kühlung notwendig, höhere Anschaffungs- und Betriebskosten
  • Einsatz: Arbeitshöhen über 400 Millimeter bis 1000 Millimeter, Mining, Kohlekraftwerke, Schrottplätze, Anwendungen mit sehr hohen Anforderungen

Vergleichstabelle: Permanent vs. Elektro

ParameterPermanent (Ferrit/Neodym)Elektro (Öl/Luftgekühlt)
BetriebskostenSehr niedrig (nur Gurtantrieb)Hoch (Spulenstrom + Antrieb)
WartungMinimal, nur Gurt und LagerMittel (Ölstand, Kühlung prüfen)
FangtiefeGut für mittlere Schichten bis 400mmExzellent für tiefe Schichten bis 1000mm
AbschaltbarkeitNein (mechanische Vorrichtung nötig)Ja (per Knopfdruck)
Typische Breite400 – 1600 Millimeter800 – 2400 Millimeter
GewichtRelativ leicht, kompaktSehr schwer, große Abmessungen
EnergieverbrauchNur für Gurtantrieb (ca. 0,5-2 kW)Für Spulen und Antrieb (5-50 kW je nach Größe)
AnschaffungskostenNiedrig bis mittelHoch, oft 3-5x höher als Permanent

Einbausituationen: Quer vs. Längs

Die Positionierung ist entscheidend für die Separationseffizienz

Die Art der Installation hat erheblichen Einfluss auf die Effizienz der Separation. Es gibt zwei Hauptvarianten der Installation, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben. Die Wahl hängt von der vorhandenen Anlagenkonfiguration, dem verfügbaren Platz und den Anforderungen an die Separationseffizienz ab.

Queraustrag (Cross-Belt)

Der Magnet wird im 90-Grad-Winkel über dem Förderband montiert, quer zur Förderrichtung.

Vorteile:

  • Einfache Nachrüstung in bestehende Anlagen möglich
  • Geringerer Platzbedarf in Längsrichtung
  • Flexible Positionierung entlang des Förderbandes

Nachteile:

  • Das Eisen muss gegen die Fließrichtung des Materials herausgerissen werden
  • Höherer Widerstand durch die Materialschicht
  • Geringere Separationseffizienz im Vergleich zum Längsaustrag

Anwendungen:

Bestehende Anlagen, begrenzter Platz, nachträgliche Installation

Längsaustrag (Inline / Over-Head)

Der Magnet wird über der Abwurftrommel, auch als Kopfrolle bezeichnet, in Förderrichtung montiert.

Vorteile:

  • Das Material befindet sich im freien Fall (Wurfparabel), das Gefüge ist aufgelockert
  • Minimaler Widerstand durch die aufgelockerte Materialstruktur
  • Erhöhte Separationseffizienz um 15-20 Prozent im Vergleich zum Queraustrag
  • Bessere Ausbeute bei schweren Eisenteilen

Nachteile:

  • Erfordert mehr Platz in der Länge der Anlage
  • Installation muss bereits bei der Planung berücksichtigt werden
  • Höhere Anforderungen an die Konstruktion

Anwendungen:

Neue Anlagen, optimale Separationseffizienz erforderlich, hohe Durchsätze

Ingenieurs-Tipp: Wenn möglich, wählen Sie immer den Längseinbau über der Kopfrolle, da hier die Physik, insbesondere die Auflockerung des Materials im freien Fall, zu Ihren Gunsten arbeitet. Dies kann die Separationseffizienz um 15 bis 20 Prozent erhöhen.

Anwendungsfelder im Detail

Überbandmagnete finden in zahlreichen Industriezweigen Anwendung

Überbandmagnete sind ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Recycling- und Sortieranlagen. Ihre Anwendungsgebiete reichen von der Abfallwirtschaft über den Bergbau bis hin zum Schutz von Verarbeitungsmaschinen. Jede Anwendung stellt spezifische Anforderungen an die Auslegung und Konstruktion des Überbandmagneten.

Recycling & Abfallwirtschaft (C&D Waste)

Im Recycling sind Überbandmagnete Standard. In Sortieranlagen für Baustellenabfälle hängen sie oft über den Förderbändern nach dem Vorbrecher. Die Hauptaufgabe ist die Rückgewinnung von Bewehrungsstahl, auch als Rebar bezeichnet, und der Schutz nachfolgender Sortierer wie NIR-Sortierer.

Anwendung:

Baustellenabfälle, Bauschutt, Mischabfall, Hausmüll, Gewerbeabfälle, Abbruchmaterial

Anforderung:

Robuste Bauweise für den Umgang mit groben und sperrigen Materialien. Lange, sperrige Eisenteile können sich im Gurt verhaken, daher ist eine Panzerung des Magnetgurtes erforderlich. Hohe Durchsatzleistung und verschleißfeste Komponenten sind essentiell.

Herausforderungen:

Verschiedene Materialgrößen, hohe Verschmutzung, abrasive Materialien, wechselnde Materialzusammensetzung

Mobile Brecheranlagen

In mobilen Backen- oder Prallbrechern ist meist ein kompakter Permanent-Überbandmagnet integriert. Diese Anlagen werden direkt auf Baustellen eingesetzt und müssen daher besonders robust und vibrationsfest sein.

Anwendung:

Steinbrüche, Baustellen, Abbruchunternehmen, Recyclinghöfe

Anforderung:

Extrem vibrationsfest, hydraulisch angetrieben, kompakte Bauweise, wetterfest. Der Magnet muss den rauen Bedingungen auf Baustellen standhalten und gleichzeitig leicht zu transportieren sein.

Herausforderungen:

Vibrationen, Staub, Witterungseinflüsse, häufige Standortwechsel

Bergbau & Kohle

Im Bergbau werden riesige Elektro-Magnetabscheider eingesetzt, um sogenanntes Tramp Iron, also vagabundierendes Eisen, aus Kohle oder Erz zu entfernen. Dies dient dem Schutz der Förderbänder vor Aufschlitzen.

Anwendung:

Kohlebergbau, Erzaufbereitung, Mineralverarbeitung, Kies- und Sandgewinnung

Anforderung:

Sehr große Arbeitshöhen, extrem hohe Durchsatzleistung, robuste Konstruktion für den Umgang mit schweren Materialien. Oft werden Elektro-Überbandmagnete mit Breiten von über 2000 Millimetern eingesetzt.

Herausforderungen:

Extreme Arbeitshöhen, sehr hohe Durchsätze, schwere Materialien, kontinuierlicher Betrieb

Holzrecycling

Im Holzrecycling werden Überbandmagnete eingesetzt, um Eisenmetalle wie Nägel, Schrauben und Klammern aus Holzabfällen zu entfernen. Dies ist wichtig für die Qualität des recycelten Holzes und den Schutz nachfolgender Verarbeitungsmaschinen.

Anwendung:

Altholz, Paletten, Bauholz, Möbelrecycling, Spanplattenproduktion

Anforderung:

Mittlere Arbeitshöhen, gute Abscheideleistung für kleine Eisenteile wie Nägel. Permanent-Überbandmagnete sind hier meist ausreichend. Der Magnet muss auch bei hohem Holzanteil im Materialstrom zuverlässig funktionieren.

Herausforderungen:

Kleine Eisenteile, hoher Holzanteil, verschiedene Holzarten mit unterschiedlichen Eigenschaften

Müllverbrennung

In Müllverbrennungsanlagen werden Überbandmagnete eingesetzt, um Eisenmetalle aus der Schlacke zu entfernen. Dies dient sowohl der Rückgewinnung von Wertstoffen als auch dem Schutz nachfolgender Verarbeitungsschritte.

Anwendung:

Müllverbrennungsschlacke, Rostasche, Filterasche

Anforderung:

Hitzebeständige Konstruktion, robuste Bauweise für abrasive Materialien, hohe Durchsatzleistung. Die Magnete müssen auch bei hohen Temperaturen zuverlässig funktionieren.

Herausforderungen:

Hohe Temperaturen, abrasive Materialien, verschiedene Materialgrößen, hohe Verschmutzung

Schrottplätze und Metallrecycling

Auf Schrottplätzen werden große Elektro-Überbandmagnete eingesetzt, um verschiedene Metallarten zu sortieren und zu trennen. Dies ist ein wichtiger Schritt im Metallrecyclingprozess.

Anwendung:

Schrottaufbereitung, Metallrecycling, Automobilrecycling, Elektroschrott

Anforderung:

Sehr große Arbeitshöhen, hohe Durchsatzleistung, abschaltbare Felder für Wartung. Oft werden mehrere Überbandmagnete in Reihe eingesetzt, um eine optimale Separation zu gewährleisten.

Herausforderungen:

Sehr große und schwere Eisenteile, hohe Durchsätze, verschiedene Metallarten, komplexe Materialzusammensetzung

Auslegung & Technische Spezifikationen

Die richtige Auslegung ist entscheidend für den Erfolg der Anwendung

Die Auslegung eines Überbandmagneten erfordert die Berücksichtigung zahlreicher Parameter. Eine falsche Auslegung kann zu unzureichender Abscheideleistung, erhöhten Betriebskosten oder sogar zu Schäden an der Anlage führen. Die folgenden Parameter müssen bei der Spezifikation berücksichtigt werden.

Gurtbreite & Geschwindigkeit

Die Gurtbreite des Förderbandes bestimmt die erforderliche Breite des Magnetblocks. Ein 800 Millimeter breites Band benötigt meist einen Magnetblock mit mindestens 600 bis 700 Millimeter Wirkbreite. Die Bandgeschwindigkeit ist ebenfalls kritisch: Ist das Band schneller als 2,5 Meter pro Sekunde, muss der Magnet stärker dimensioniert werden, um die relative Geschwindigkeit auszugleichen. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten kann die Verweilzeit im Magnetfeld zu kurz sein, was die Abscheideleistung reduziert.

Schütthöhe & Abhängehöhe

Dies ist der wichtigste Parameter bei der Auslegung. Die Schütthöhe beschreibt, wie hoch das Material auf dem Band liegt. Die Abhängehöhe ist der Abstand zwischen Fördergurt und Magnetgurt. Als Faustregel gilt: Abhängehöhe gleich Schütthöhe plus Sicherheitsabstand von etwa 100 Millimetern. Eine Verdopplung der Abhängehöhe erfordert oft eine Vervierfachung der Magnetleistung, da die magnetische Kraft mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt.

Abhängehöhe = Schütthöhe + Sicherheitsabstand (ca. 100mm)

Korngröße & Eisenteile

Die Größe der Eisenteile hat erheblichen Einfluss auf die erforderliche Magnetfeldstärke. Große Eisenteile sind leichter zu fangen als kleine, da das Volumen V in der Kraftformel direkt proportional zur magnetischen Kraft ist. Für Schrauben der Größe M10 wird ein stärkeres Feld benötigt als für eine Stahlträger-Scherbe. Sehr kleine Partikel unter 10 Millimetern erfordern besonders starke Magnete oder spezielle Konstruktionen.

Beispiele:

  • Große Eisenteile (über 50mm): Relativ einfach zu erfassen, auch mit schwächeren Magneten
  • Mittlere Eisenteile (10-50mm): Standard-Magnete ausreichend
  • Kleine Eisenteile (unter 10mm): Starke Magnete erforderlich, oft Neodym-Magnete

Umgebungsbedingungen

Die Umgebungsbedingungen haben erheblichen Einfluss auf die Auswahl des richtigen Überbandmagneten. Staub, Hitze, Feuchtigkeit oder korrosive Umgebungen erfordern spezielle Konstruktionen und Materialien.

Faktoren:

  • Staub: Erfordert geschützte Lager und regelmäßige Reinigung. In staubexplosionsgefährdeten Bereichen sind ATEX-konforme Ausführungen erforderlich.
  • Hitze: Hohe Temperaturen können Permanentmagnete entmagnetisieren. Für Temperaturen über 80°C sind spezielle Hochtemperatur-Magnete oder Elektro-Überbandmagnete erforderlich.
  • Feuchtigkeit: Erfordert korrosionsbeständige Materialien und geschützte elektrische Komponenten.
  • Abrasive Umgebungen: Erfordern verschleißfeste Gurte, beispielsweise ölbeständiges Gummi oder Polyurethan-Abstreifer.

Materialzusammensetzung

Die Zusammensetzung des zu verarbeitenden Materials beeinflusst die Auslegung erheblich. Unterschiedliche Materialien haben unterschiedliche Dichten und Fließeigenschaften, die berücksichtigt werden müssen.

Überlegungen:

  • Dichte des Materials: Schwere Materialien erfordern stärkere Magnete
  • Fließeigenschaften: Materialien mit schlechten Fließeigenschaften können zu Brückenbildung führen
  • Feuchtigkeitsgehalt: Feuchte Materialien können am Gurt haften bleiben
  • Materialmix: Gemischte Materialien erfordern eine robuste Auslegung

Installation, Sicherheit & Wartung

Sicherheit und regelmäßige Wartung sind entscheidend für den zuverlässigen Betrieb

Die Installation eines Überbandmagneten erfordert sorgfältige Planung und Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten. Ein Überbandmagnet erzeugt ein starkes Streufeld, das verschiedene Sicherheitsrisiken mit sich bringt. Zudem erfordert der Austragsgurt regelmäßige Wartung, um eine optimale Leistung zu gewährleisten.

Sicherheitsbereich

Ein Überbandmagnet erzeugt ein starkes Streufeld, das über den unmittelbaren Wirkbereich hinausreicht. Dies erfordert besondere Sicherheitsmaßnahmen.

  • Herzschrittmacher: Warnschilder sind Pflicht, da das Magnetfeld Herzschrittmacher beeinflussen kann. Mindestabstand oft über 1 Meter.
  • Werkzeuge: Keine Schraubenschlüssel oder andere ferromagnetische Werkzeuge in der Nähe liegen lassen – sie werden zu Geschossen und können schwere Verletzungen verursachen.
  • Unterkonstruktion: Das Gestell unter dem Magneten sollte aus nicht-magnetischem Stahl, beispielsweise Edelstahl 1.4301, bestehen, um keine Magnetleistung abzuleiten. Ferromagnetische Materialien in der Nähe können das Magnetfeld kurzschließen.
  • Elektronische Geräte: Smartphones, Tablets und andere elektronische Geräte sollten nicht in unmittelbarer Nähe des Magneten aufbewahrt werden.
  • Personenschutz: Bei Wartungsarbeiten muss das Magnetfeld bei Elektro-Überbandmagneten abgeschaltet werden. Bei Permanentmagneten sind spezielle Sicherheitsvorkehrungen erforderlich.

Wartung des Austragsgurtes

Der Austragsgurt ist ein Verschleißteil und erfordert regelmäßige Wartung, um eine optimale Austragsleistung zu gewährleisten.

  • Spurführung: Der Gurt muss regelmäßig zentriert werden. Ballig gedrehte Trommeln helfen dabei, die Zentrierung zu verbessern. Eine falsche Spurführung kann zu Gurtlauf und erhöhtem Verschleiß führen.
  • Stollen: Abgenutzte Stollen reduzieren die Austragsleistung erheblich. Die Stollen sollten regelmäßig auf Verschleiß überprüft und bei Bedarf ausgetauscht werden. Moderne Gurte haben austauschbare Stollen.
  • Schmierung: Die Lager der Umlenkrollen müssen regelmäßig gefettet werden. Bei Permanentmagneten gibt es sonst kaum Wartung, was sie besonders wartungsfreundlich macht.
  • Gurtspannung: Die richtige Gurtspannung ist entscheidend für eine zuverlässige Funktion. Zu lockere Gurte können rutschen, zu straffe Gurte führen zu erhöhtem Verschleiß.
  • Reinigung: Der Gurt sollte regelmäßig gereinigt werden, um Verschmutzungen zu entfernen, die die Leistung beeinträchtigen können.

Wartung von Elektro-Überbandmagneten

Elektro-Überbandmagnete erfordern zusätzliche Wartungsarbeiten im Vergleich zu Permanentmagneten.

  • Ölstand: Bei ölgekühlten Systemen muss der Ölstand regelmäßig überprüft werden. Niedriger Ölstand kann zu Überhitzung und Schäden führen.
  • Kühlung: Die Kühlsysteme müssen regelmäßig auf Funktionsfähigkeit überprüft werden. Verstopfte Kühllamellen können die Kühlleistung erheblich reduzieren.
  • Elektrische Komponenten: Spulen, Kabel und Anschlüsse müssen regelmäßig auf Beschädigungen überprüft werden.
  • Abschaltfunktion: Die Abschaltfunktion muss regelmäßig getestet werden, um sicherzustellen, dass das Magnetfeld zuverlässig abgeschaltet werden kann.

Fehlerbehebung und häufige Probleme

Häufige Probleme und deren Lösungen

Trotz sorgfältiger Auslegung und Installation können Probleme auftreten. Die meisten Probleme haben identifizierbare Ursachen und können durch entsprechende Maßnahmen behoben werden.

Eisen wird nicht abgeworfen

Wenn das Eisen nicht vom Magnetgurt abgeworfen wird, kann dies verschiedene Ursachen haben.

Lösungen:

  • Der Austragsgurt hat keine oder abgenutzte Stollen: Stollen überprüfen und bei Bedarf austauschen
  • Das Eisen ist magnetisch gefangen an der Unterseite, weil der Magnetblock zu weit in die Abwurfzone reicht: Konstruktion überprüfen, möglicherweise Anpassung erforderlich
  • Bei Elektromagneten: Die Abschaltung funktioniert nicht: Elektrische Komponenten überprüfen
  • Gurtspannung zu hoch: Gurtspannung anpassen

Geringe Abscheideleistung

Wenn die Abscheideleistung geringer ist als erwartet, können mehrere Faktoren die Ursache sein.

Lösungen:

  • Abhängehöhe zu groß: Abstand reduzieren oder stärkeren Magneten verwenden
  • Bandgeschwindigkeit zu hoch: Geschwindigkeit reduzieren oder stärkeren Magneten verwenden
  • Schütthöhe zu groß: Materialhöhe reduzieren oder mehrere Magnete in Reihe einsetzen
  • Magnetfeldstärke zu gering: Stärkeren Magneten verwenden oder bei Elektromagneten Leistung erhöhen

Gurtlaufprobleme

Wenn der Gurt nicht zentriert läuft, kann dies zu erhöhtem Verschleiß und Problemen führen.

Lösungen:

  • Trommeln nicht ballig gedreht: Trommeln überprüfen und bei Bedarf anpassen
  • Gurtspannung falsch eingestellt: Gurtspannung anpassen
  • Verschmutzte oder beschädigte Umlenkrollen: Reinigen oder austauschen
  • Unterkonstruktion nicht ausgerichtet: Ausrichtung überprüfen und korrigieren

Vergleich mit alternativen Technologien

Überbandmagnete sind nicht die einzige Technologie zur Entfernung von Eisenmetallen

Es gibt verschiedene Technologien zur Entfernung von Eisenmetallen aus Materialströmen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile, und oft werden mehrere Technologien kombiniert, um eine optimale Separation zu gewährleisten.

Plattenmagnete

Plattenmagnete werden unter oder in Förderbändern installiert und ziehen Eisenteile nach unten. Sie müssen manuell gereinigt werden.

Vorteile:

Einfach, kostengünstig, kein beweglicher Gurt erforderlich

Nachteile:

Manuelle Reinigung erforderlich, geringere Abscheideleistung, nicht für kontinuierliche Prozesse geeignet

Trommelmagnete

Trommelmagnete rotieren um einen feststehenden Magnetkern und separieren Eisenteile kontinuierlich.

Vorteile:

Kontinuierliche Separation, hohe Effizienz, für große Durchsätze geeignet

Nachteile:

Aufwändigere Installation, bewegliche Teile erfordern Wartung, höhere Kosten

Wirbelstromscheider

Wirbelstromscheider nutzen rotierende Magnete, um nicht-magnetische, aber elektrisch leitfähige Metalle wie Aluminium und Kupfer zu erfassen.

Vorteile:

Erfasst nicht-magnetische Metalle, hohe Effizienz für leitfähige Materialien

Nachteile:

Nur für leitfähige Metalle, höherer Energieverbrauch, komplexere Konstruktion, oft in Kombination mit Überbandmagneten eingesetzt

Wirtschaftlichkeit und Kosten-Nutzen-Analyse

Die Investition in einen Überbandmagneten ist in der Regel sehr wirtschaftlich

Die Kosten für einen Überbandmagneten sind im Vergleich zu den möglichen Schäden durch Eisenmetalle in der Regel sehr gering. Eine Kosten-Nutzen-Analyse sollte jedoch verschiedene Faktoren berücksichtigen, darunter Anschaffungskosten, Betriebskosten, Wartungskosten und Einsparpotenziale.

Anschaffungskosten

Die Anschaffungskosten variieren erheblich je nach Typ und Größe. Einfache Permanent-Überbandmagnete beginnen bei etwa 5.000 Euro, während große Elektro-Überbandmagnete 50.000 Euro oder mehr kosten können. Die Größe, die erforderliche Arbeitshöhe und die Bandbreite sind die Hauptfaktoren, die die Kosten bestimmen.

Betriebskosten

Permanent-Überbandmagnete haben sehr niedrige Betriebskosten, da sie nur Energie für den Gurtantrieb benötigen, typischerweise 0,5 bis 2 Kilowatt. Elektro-Überbandmagnete haben deutlich höhere Betriebskosten aufgrund des Stromverbrauchs für die Spulen, der je nach Größe 5 bis 50 Kilowatt betragen kann.

Wartungskosten

Die Wartungskosten sind bei Permanent-Überbandmagneten minimal und beschränken sich hauptsächlich auf den Austragsgurt. Bei Elektro-Überbandmagneten fallen zusätzliche Wartungskosten für Kühlsysteme und elektrische Komponenten an.

Einsparpotenziale

Die Einsparungen durch einen Überbandmagneten können erheblich sein: Schutz von Brechern und anderen Verarbeitungsmaschinen vor Schäden durch Eisenmetalle, Rückgewinnung von Wertstoffen, Reduzierung von Stillstandzeiten und Verbesserung der Produktqualität. In Recyclinganlagen können die Einsparungen durch Rückgewinnung von Wertstoffen die Anschaffungskosten oft innerhalb weniger Monate amortisieren.

Amortisationszeit

Die Amortisationszeit eines Überbandmagneten ist in der Regel sehr kurz, oft weniger als ein Jahr, insbesondere in Recyclinganlagen mit hohen Durchsätzen. Die genaue Amortisationszeit hängt von der Anwendung, dem Durchsatz und dem Wert der zurückgewonnenen Materialien ab.

Frequently Asked Questions

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